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Liste mit neun Einträgen
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4. Die Kurzschrift

Zweck der Kurzschrift ist es, die Schreib- und Lesegeschwindigkeit zu erhöhen. Gleichzeitig wird das Volumen von Blindenschrifterzeugnissen um etwa ein Drittel verringert.

4. 1. Lautgruppenkürzungen

Der bereits in der Vollschrift angewandte Bestand an Lautgruppenkürzungen wird übernommen und deutlich erweitert.

4. 1. 1. Liste der Lautgruppenkürzungen

Die in der Liste der Kürzungen angegebenen Beispiele zeigen auf, wie die einzelnen Kürzungen angewendet werden und welchen Einschränkungen sie unterliegen. Das Zeichen „—“ bedeutet, dass die betreffende Kürzung an dieser Stelle im Wort nicht verwendet werden darf.

Braille Anlaut Inlaut Auslaut
< ACH r<e d<
: AL :tar b:sam
+ AN +gabe l+d
) AR )zt m)mor
1 AU 1la b1m gr1
\ ÄU \gt m\se hofbr\
; BE ;tt re;kka
4 CH 4or a4t dol4
$ CK ja$e ro$
= EH l=m
3 EI 3le r3f br3
6 EIN 6s l6e kl6
y EL ybe wyt igy
[ EM [por br[se diad[
c EN cde ebce regc
7 ER 7be v7s dampf7
% ES %kimo w%pe had%
2 EU 2le fr2de h2
& GE &tto ab&tan b8r&
# ICH l#t tepp#
0 IE l0d kn0
> IG t>ris k@f>
* IN *dus d*g kam*
_ LICH pf_t 9rt_
q LL doqar atoq
x MM flaxe kax
? OR ?kan b?d
5 SCH 5irm ta5e fi5
^ SS me^e fa^
] ST ]urz pa]e wur]
( TE az(ke k@l(
/ UN /ikum t/dra mons/

4. 1. 2. Wahl der Kürzungen

a)

Von den Buchstaben des Alphabets sind die im Deutschen seltenen c (wenn sein Vorkommen in ch, ck, sch nicht gezählt wird), q, x, y, ß mit Lautgruppen belegt. Daraus ergibt sich, dass sie bei Auftreten in ihrer eigentlichen Bedeutung mit dem vorangestellten Aufhebungspunkt 6 ' versehen werden müssen.

Beispiele:

'ceqo, 'queqe, 'x'ylophon, ma'^]ab.

Siehe auch „Der Aufhebungspunkt“.

b)

Die Zeichen für die Lautgruppen „al“, „an“, „ar“, „be“, „eh“, „or“, „te“ sind zugleich Interpunktionszeichen. Die Kürzungen werden daher nicht angewendet, wenn Verwechslung mit einem jener Zeichen möglich ist. „Te“ wird also am Wortanfang, „al“, „an“, „ar“, „be“, „or“ am Wortende und „eh“ am Wortanfang und -ende ausgeschrieben.

Beispiele:

tal, kran, bar, rebe, ehe, reh, tor, tepp#.
c)

Die Lautgruppen „ach“, „ck“, „eh“, „ich“, „ie“, „ig“, „lich“, „mm“, „ll“, „te“ werden am Wortanfang nicht gekürzt, da die betreffenden Zeichen in dieser Stellung anderes bedeuten ( s. „Interpunktions- und Sonderzeichen“, „Zahlen“, „Groß- und Kleinschreibung“, „Hervorhebungen“, „Fremdsprachliche Einschübe“, „Vorsilbenkürzungen“).

d)

Falls man innerhalb eines Wortes die Wahl zwischen mehreren Kürzungsmöglichkeiten hat, so kürzt man nach nachstehender Rangfolge:

  • In „sst“ das Doppel-s, z.B.:
    fa^t, &k8^t.
  • In „all“, „ell“, „emm“, „esch“, „ess“, „est“ die Konsonantengruppe, z.B.:
    me^7 (nicht m%s7), haqe (nicht h:le), klexe (nicht kl[me), fe] (nicht f%t).
  • In „beh“, „bel“, „bem“, „ben“, „ber“, „bes“ bzw. „geh“, „gel“, „gem“, „gen“, „ger“, „ges“ die Lautgruppen „be“ bzw. „ge“, falls sie Vorsilbencharakter haben, z.B.:
    ;ratc, ;su4, &l0bt, auch in ;r3t, &h3m, &n1.
  • Die mit einem Vokal anlautenden Lautgruppen „eh“, „el“, „em“, „en“, „er“, „es“, „ig“, z.B.:
    b%c, 6>e, g=c, h1styefon.
  • Die verbleibenden Lautgruppen.
e)

In Fällen, in denen dies die einzige Kürzungsmöglichkeit ist, dürfen die Buchstaben einer gekürzten Lautgruppe auch benachbarten Silben angehören, z.B.:

d[on]r0rc, d%>n, dyeg0rt7, dc/zi+t, ep>rax, +om:0, +:'yse, di:ekt.

Dies darf auch dort geschehen, wo die beiden Silben ursprünglich eigenständigen Wörtern angehörten, die Wortzusammensetzung aber nicht mehr als solche empfunden oder erkannt wird wie in j=7, j[+d und d+<.

Unzulässig sind Lautgruppenkürzungen über die Wortfuge einer echten Wortzusammensetzung hinweg, so dass man schreibt:

sp3sesaal (nicht sp3s%aal), r3sel3t7, r6em<c, n<te^c.
f)

Bei der Wiedergabe von Vokalverbindungen folgt man der Aussprache und schreibt z.B.:

paare (nicht pa)e),
beerc (nicht ;7c),
moorw0se, baesw3l7, moers, uelzc, oerlikon,

aber:

a7on1tik, fecm@r4c;

ferner:

+@m0, h)mon0, das rct0r;

jedoch:

pr@mie, h)monic, meti7, hi7)40;

und entsprechend:

mainz, train*g,

hingegen:

koka*, koffe*, kase*

(vgl. hierzu Kapitel 3 „Die Vollschrift“).

g)

Bei Trennungen am Zeilenende können Kürzungen gegebenenfalls aufgelöst werden. Sollten sich dadurch neue Kürzungsmöglichkeiten ergeben, sind sie anzuwenden, z.B.:

'quy- le, h:- le, t%- ((, je- m+d usw.
h)

Die Kürzungen für die Lautgruppen „al“, „an“, „ar“ „be“, „eh“, „el“, „en“, „ll“, „mm“, „or“ und „te“ dürfen nach Apostroph nicht verwendet werden, um Verwechselungen mit Satzzeichen bzw. den Buchstaben c, q, x, oder y auszuschließen.

Beispiele:

d'elca, d'artagnan, deq'angyo